September 2018

Vor einem Monat wurde die neue Produktionsstätte der Käserei eingeweiht. Das Thema Käsereigenossenschaft war mir in den letzten drei Jahren ein zu heisses Eisen um darüber zu berichten. Nun hält die Festschrift zum 100 jährigen Bestehen der Genossenschaft, verfasst von Werner Schuwey, sämtliche Eckdaten fest und berichtet auch über die jüngsten Geschehnisse. In den Ansprachen der Eröffnung wurde vom Leidensweg und verschiedenen Schwierigkeiten berichtet und laut einem Leserbrief im Echo haben die Streitigkeiten bei einem Neubau der Käserei beinahe Tradition.

Während die verschiedenen Redner das Resultat loben, stellt sich die Frage, was alles durch die Köpfe der Zuhörer geht. Stolz auf den Neubau steht nicht an erster Stelle in den Gesichtern der Genossenschafter. Allenfalls Erleichterung dass doch noch alles gut gegangen ist, trotz .... Für lobenswert hält die ganze Geschichte wohl niemand der Beteiligten und die Erinnerungen an unangebrachtes Verhalten ist in den meisten Köpfen in Stein gemeisselt. Aus dem selben Stein bestehen die Jauner Berge die zum Teil schon Jahrmillionen in den Himmel ragen und der Unbill der Natur trotzen. Zum Glück weht im Käsekeller der Duft und Geist des traditionsreichen Greyerzerkäse, die Würze der Geschichte. Ohne ihn würde ein grosses Stück Identität der Jauner Milchproduzenten fehlen und das Dorfbild wäre ein anderes.

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FN vom 10.09.2018
«Die Narben sind wieder verheilt» _ Frei
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Die Vorbereitungen zum Schafscheid beginnen bei den Schafhirten vom Schafberg jeweils am Freitagnachmittag. Die Schafe werden auf dem Berg zusammengetrieben und ins tiefer gelegene "Ried" gebracht. Diese Jahr verzögerte der Nebel den Abtrieb, ohne Sicht ist der Weg schlichtweg zu gefährlich. Ich ging der Herde bis zum mittleren Münchenberg entgegen. Nicht nur meine Gedanken wanderten an diesem Nachmittag immer wieder zum Schafhirt Roman, der anfangs April ums Leben kam. Er fehle schon den ganzen Sommer und diese Woche erst Recht, erzählt mir Daniel. Zu seinem Gedenken wird ein Foto von ihm auf einem Leiterwagen am Schafscheid durch Jaun ziehen.

Bilder der FN vom Schafscheid

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Eine Schafscheid wie aus dem Bilderbuch
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Den Vorabend vom Schafscheid habe ich mit Lisa und Johan im unteren Chübode verbracht. Lisa arbeitet für die Tourismusorganisation La Gruyère Region und konnte dank der Übernachtung in der Berghütte am Morgen live dabei sein, als sich die Schafherde vom Ried aus auf ins Dorf machte. Sie berichtete auf den Sozialen Medien den ganzen Morgen über den traditionellen Jauner Anlass.


Der September war auch der Apfelmonat, jedenfalls für mich und die Schule Jaun. Im Blogartikel habe ich über die Aktivität berichtet. In Charmey kümmerte sich ein Gemeinderat um ein von der Gemeinde bezahltes Inserat, damit die Aktion Süssmost im ganzen Tal bekannt wurde. Das führte zu beinahe 4 Tonnen Früchte die in Cerniat vermostet wurden. In Jaun hingegen blieben viele Früchte hängen und liegen, trotz meiner Aktion und der Mithilfe der Schule. Die Jahrhunderternte brachte wenigsten den Jauner Schülern bei, wie sie verwertet werden kann. Der Jauner Süssmost fand regen Abgang bei den Familien und verschiedene positive Rückmeldungen aller Beteiligten erzählen von einem Erfolg.

Meinerseits habe ich etwas mehr als 24 Stunden damit verbracht, "Saase" oder "vin cuit" herzustellen. Aus 220 Liter Süssmost wurden über einem Holzfeuer 22 Liter "Saase", einkocht in einem 150 Liter Kupferkessel in der Berghütte Mittlerer Chüebode. Ohne Elektrizität, dafür mit sehr viel Zeit, ein sehr erholsames Erlebnis trotz sehr wenig Schlaf. Ich habe die traditionelle Herstellung bei Jean-Claude Sudan, ehemaliger Wirt vom Vieux Chalet in Crésuz, 1998 kennengelernt. Somit kann nun die Ostschweizerin auch im Greyerzerland mit einheimischen Früchtchen.

Endlich habe ich mir auch Zeit genommen, wieder mal auf die Hochmatt zu steigen. Im Mai vor 20 Jahren habe ich diese Wanderung das erste mal unternommen. Seither ist der Boffel immer die erste kurze Rast auf dem Weg zum "Wiise Rössli". Welch Freude zu sehen, dass eine neue Terasse vor der Hütte steht und eine Figur von Kolumban darüber wacht. Eine Berghütte um die sich niemand kümmert, ist ein bedauernswerter Anblick. Hier scheint sich aber wieder jemand wohl zu fühlen. Der Aufstieg dauert, so scheint mir, jedes Jahr etwas länger, einmal oben angekommen ist die Aussicht aber wie immer grandios. Wie klein und unwichtig wir doch sind und wieviel länger die Felsen uns Menschen schon zusehen. Wenn die Berge berichten könnten...

... hätte ich noch viel zu erzählen! Herzlichst